Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Wenn das Irrenhaus überfordert ist

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zauberkopf
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von zauberkopf »

Ein kleiner Mann mit Glatze aus Hamburg der gerade eben im Fernsehen war hat gesagt :
„Eine Gesellschaft kann nur besser werden, wenn sie optimistisch ist. Wenn sie glaubt das die Zukunft besser wird.“
Das stimmt genau. Das glaube ich.
Erst mal : Bei dem Wort glaube, kriege ich als Hardcore Monotheist doch relativ schnell das Gefühl gegensteuern zu müssen.
Das Buch vom Atheisten Douglas Adams : Der Elektrische Mönch.
Hat mich dazu gebracht.
Weil ich unfähig war, mir so einen selbst zu bauen, habe ich halt die Kröte geschluckt, und die Glaubensflatrate gelassen.
Also für einen geringen Betrag im Monat darf ich nur an Gott glauben, alles andere weis ich oder weis ich nicht.
Vermuten ist erlaubt.

Das bringt mich zu dem 2. Punkt.
Corona war schrecklich. Viele Tote.
Aber noch schlimmer : Es hat mir vor Augen geführt, wieviele Untote mich umgeben.
Fehlendes Klopapier, Corona Leugner, Gendertrottel...
Montag saß ich beim Arzt in einem vollen Wartezimmer..
Alle starten auf ihr Häänndii.. alle möglichen Sounds ertönten...
Sah eine bekannte und geschätzte Zeitschrift, blätterte, sah die Wörter vor lauter selbstgerechter Sternchen nicht mehr, und lag Sie bei Seite.
... ich zieh den hut übers gesicht, und denke ich nutze die Zeit sinvoller..
... Die Sprechstundenhilfe meinte, mein Schnarchen hätte bestmarken erreicht.

Warum bringt mich das auf den 2. Punkt ?
Ganz einfach : Weil diese "Untoten" auch gläubig sind.
Sie glauben an zukünfitgen Klopapiermangel, Verschwöhrungen, das Gendern was bringt und nichts kostet, an die Wissenschaft die immer korrekt arbeitet ,und daher recht hat.
("fehlerhafte" Arbeiten, haben mich in der Vergangenheit sowohl Zeit, Nerven aber auch schon manchen lacher gekostet. )
Die aufzählung ist natürlich unvollständig.. es gibt da noch die jenigen, die Glauben, das der Markt alles Regelt...usw.
Manche glauben auch, das Zitronenfalter, Zitronen falten....

Und dieser Glaube ist mittlerweile bei einigen so ausgeprägt, das eine Diskussion die ggf neue Erkenntnisse bringen könnte, gar nicht mehr möglich ist.
z.B. gibt es in der Kath. Kirche vor einer Heiligsprechung einen Prozess, wo einer der Teilnehmer den https://de.wikipedia.org/wiki/Advocatus_Diaboli extra mimt, um neue Argumente zu erzeugen.
So kann m.U. interessante Diskussionen führen.
Kann man.. muss man aber nicht, wenn man nur an etwas nur fest genug glaubt. Manche haben sogar in ihrem eifer die Zeugen Jehovas übertroffen.
Falls man es dennoch wagt, etwas anderes zu sagen, was nicht der Blase entspricht (und vorher keine Triggerwarnung ausgesprochen hat) kann es zu interessanten und manchmal lustigen Reaktionen kommen.
Und ich frage mich die ganze Zeit : Macht das Sinn ? Also in einem relativen Universum an Absoluten zu glauben ?
Gott hat das Universum bestimmt nicht ohne Grund relativ konstruiert.. ;-)

Es bringt auch imho nichts den leuten nen Stempel aufzudrücken.
Es ist interessanter nach den Gründen zu suchen.
Weil : Oft gibt es eine Historie und Bedürfnisse.
z.B. fehlendes Wissen, und die Unsicherheit darüber können zu glauben führen.
Wenn man aber glaubt, oder das gefühl hat, man hat alles gesehen, und das war meist nicht gut, dann kann man, den Miesepeter vielleicht auch verstehen.
(Freude ist nur ein Mangel an Information.. )
Und dann auch anders mit ihm kommunizieren.
Die Bedürfnisse der Menschen sind gleich. Nur unterschiedlich ausgeprägt, und unterschiedlich erfüllt.
Letzteres erzeugt Aktion. Die nicht immer Sinnvoll ist.

Kurz : Was Peter über Klaus sagt, sagt mehr über Klaus aus als über Peter aus.

Und auf der anderen Seite :
Handeln Marktkonforme Optimisten immer richtig ?
Nehmen wir mal Atomkraft. Klar.. ist das Geil. Theoretisch.. (und ich hätte gerne nen kleinen reaktor im Keller... )
In den 50er, und 60ern war man auch seehr optimistisch.
In den 70ern auch noch.. in den 80ern, wurden nicht optimisten noch bekämpft. Es kann nicht sein, was nicht sein darf..
... praktisch gesehen, bezahle ich wegen solcher Trottel in Frankreich 49Cent die kWh... weil die immer noch nicht den Schuss gehört haben.

Ehrlichgesagt : So richtig Angst, macht mir eigentlich nur noch der ungebremste, mittlerweile per KI unterstützte Herdentrieb...

Eine Gesellschaft muss daher nicht optimistisch sein. Sie muss vielfältig sein. Und das nicht nur in Hautfarben und Geschlechtern !!!!!!
Sonst werden selbst die buntesten Fahnen grau.


Immer daran denken : Dem Philosoph, ist nichts zu doof.
Und gebt Menschen erst dann auf, wenn Sie tot sind.
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Lötfahne
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von Lötfahne »

Das Leben ist ein Zoo. Und jeden Tag wird neu ausgewürfelt, auf welcher Seite des Gitters man sich heute befindet.
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zauberkopf
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von zauberkopf »

Ganz vergessen : Aktuelles Beispiel, warum ich morgen Arbeiten gehe :
Vor ca 20 Jahren, habe ich mit MS-Access einige bitter böse Überraschungen erlebt.
z.b. hat ein SQL(89)-String auf der Jet-Engine mit den gleichen Daten, vollkommen andere ergebnisse erzeugt, als MS-SQL, MySQL und Postgresql.
Ich habe mich wieder besseren wissens mich dazu breit schlagen lassen, mit dem selben Tool eine Datenbank zu basteln.
Hoffnung war.. also wir schreiben doch das Jahr 2023... für 3 Tabellen wird das wohl doch mittlerweile gutgehen...
Ich habe mich also im Optimismus geübt.

Die Datenbank mühsam selber mit 2000 Messwerten gefüttert. Ein paar mal die Tabellen kopiert..
heute mittag festzustellen, das 2 Tage arbeit logisch durcheinander gewürfelt wurden.
Natürlich nur ein paar.. nicht alle. Das wäre mir schon beim testen aufgefallen.
Sowas habe ich in 20 Jahren noch nicht erlebt !
Gottseidank habe ich inkrementelle backups gemacht.. aber das WE ist futsch !
Korrupte Daten finden, korrigieren, Jetengine raus, sqlite rein... code anpassen, testen.. 160 messungen noch mal ...
Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich Kotzen könnte.

Was lernen wir daraus : Bei der Menschheit kann Optimismus sinnvoll sein.
Bei Access nicht !!!!!
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zauberkopf
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von zauberkopf »

Was mir noch eingefallen ist :
Nello usw :
In den letzten Jahren, wo ich arbeitslos war, und zu letzt Ehrenamtlich im Sozialkaufhaus tätig war, sind mir viele gute Leute unter gekommen.
z.B. auch elektroniker, die auch noch + von - unterscheiden konnten.
Aber auch nen Bandscheibenvorfall haben.
Und deswegen schon lange Arbeitslos sind.

Sofort einsatzbereit, aber nicht zu 100%... das kommt erst noch...
Aber bräuchten halt einen Arbeitsplatz wo man nicht nur Sitzen oder Stehen muss.
Es ist leider immer noch so im Jahre 2023 das man lieber nach ausländischen Fachkräften schreit, anstatt in einem automatisch höhenverstellbaren Tisch zu investieren.

Hinzu kommt, das die Leute irgendwann aufgeben.
Der effekt, ist auch bei mir persönlich durchaus bekannt.
Immer nur die Schuld auf die einzelne Person zu schieben ist einfach. Nach ausländischen Fachkräften zu schreien auch.
Verantwortung zu übernehmen, Risiken einzugehen, auch mal was neues zu probieren, nicht.
Da sind Arbeitgeber oftmals nicht viel anders, als so mancher Hartz4 Bezieher.

Und dann sind noch andere Realitäten...
z.B. vor jugendlicher saß ich in der Buchhaltung im Betrieb meines Vaters, und reparierte das Zeiterfassungssystem.
Da kam die Vorarbeiterin(und auch Teilhaberin) rein, und mein Vater reichte ihr ne Bewerbung von einer Näherin hin, und fragte Sie nach Ihrer Meinung.
Sie : hmm... Fast 40, hat 2 ältere Kinder, sieht scheisse aus, die kriegt also keine mehr, die können wir einstellen.
Ich : :shock: :shock: :shock: :shock: :shock:
Meine Mutter war auch lange Alleinerziehend Arbeitslos, bis sie auf die 40 zuging, und dann machte sie erst Kariere.
Und sie hatte auch vorher das riesen Glück eine Tagesmutter für meine kleine Schwester zu finden.
Bis dato, war sie halt nicht "Marktkonform".
d.H. also, selber schuld an Ihrer Situation.

Zur Lösung dieses Problems, meinte man vor ein paar Jahren, ein *innen würde es schon richten.
Davor wars die "Frauenquote". Besonders lustig : Frauenquote in Daxvorstand.
(Während meine damalige Cheffin vor Verzweiflung in die Tischkannte beist, muss ich an die ersten Seiten von Douglas Adams Anhalter denken...)
Daher mein "Hass" darauf. Das ist die billige "Lösung" eines Problems, das mir schon seit 30 Jahren bekannt ist, und auch uns Rüsselträger betrifft.
Eigentlich ist es Enttäuschung. bzw, vor Corona war ich Optimistischer.
Aaber : Der Öffentliche Dienst, hierzulande stellt niemanden über 40 ein.
(jedenfalls vor ca 5j)).

Für mich, ist das alles ein Indiz, das die Gesellschaft in unterschiedliche Richtungen auseinanderdriftet.
Der Druck erhöht sich unnötiger weise, von jahr zu jahr für den einzelnen..
Was sicherlich auch ein Anreiz ist, für ausländische Fachkräfte ist, sich hier nieder zu lassen.
Ja, das war sarkastisch.
Weil Sie hier, und das habe ich auch erfahren, die selben Probleme haben.
(z.B. bezahlen auch für mehr Strom, und haben Probleme mit der Kinderbetreuung. )
Das Leben ist ein Zoo. Und jeden Tag wird neu ausgewürfelt, auf welcher Seite des Gitters man sich heute befindet.
Das Gitter muss man erst mal genau definieren... ich kenne leute, die verzweifeln, weil sie nicht wissen, wo sie ihr Geld investieren sollen...

Mann kann jetzt sagen, ich sei pessimistisch.
Ich sage : Das ist wie mit dem Klimawandel. Das ist fakt. Aber dagegen kann man was tun.
Und das muss auch nicht unbedingt dazu führen, das die Lebensqualität sinkt. Die könnte sogar steigen.
Sogar Spass haben.. mal zur Abwechslung..
Wenn mans intelligent macht.. ohne KI unterstützte Soziale Netzwerke. So Old School.... voll 90er.. miteinander reden, und versuchen zu verstehen und hineinzuversetzen.

Vielleicht ... sind ja "die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus"
...
... nicht das Problem, sondern das Resultat von Problemen.
Die es intelligent (UND NICHT ZU EINFACH UND BILLIG) zu lösen gilt.
ch_ris
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von ch_ris »

Eindrücklich zu sehen in Schramms Bühnenprogamm "Thomas Bernhard hätte geschossen".
Wer's nicht kennt, gebe es sich.
Man merkt richtig, oder ich glaube zu merken, das es nicht nur gespielt ist.
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Torpert
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von Torpert »

Nello hat geschrieben: Fr 3. Feb 2023, 11:49 ...
  • ... dann wird alles von alleine besser.
  • Wenn das nicht klappt, bin ich selber schuld, denn ich habe die falsche Einstellung.
...
Ich habe auch lange nicht verstanden, dass positiv denken nicht bedeutet, alles einfach rosarot zu sehen. Ich sehe es mittlerweile eher so, dass es damit zu tun hat, wie ich mit der Angst umgehe, dass etwas (wieder mal) nicht klappt. Lasse ich mich davon beeinflussen - und in welcher Richtung? Denn auch ohne esoterische Erklärungen sehe ich ein, dass es einen Einfluss auf den Ausgang meiner Bemühungen hat, ob ich eine Chance sehe, dass sie gut ausgeht. Frei nach dem Spruch:
Derjenige, der glaubt, dass es gut ausgeht; und derjenige, der glaubt, dass es schief geht - haben beide Recht
Das soll nicht heissen, dass man immer davon ausgehen soll, dass alles im ersten Anlauf klappt. Eher so, dass man mit der Gewissheit rangeht, dass es irgendwann schon klappen wird.

Wenn dann (mal wieder) was nicht klappt - egal, ob es nur eine Lötstelle ist, die nicht schön aussieht oder einen Job, den man nicht bekommen hat - habe ich die Entscheidung, ob ich mich ärgere und resigniert aufgebe - oder denke "beim nächsten Mal wird es besser" und weiter mache. Denn: Wozu ist Ärger gut? (Das sage ich mir immer vor, wenn ich merke, dass ich darin gefangen bin). Wem nützt es, wenn ich mich ärgere? Mir? Jemand anderem? Ich kann darin keinen Vorteil erkennen.

Ich habe lange gebraucht, aber irgendwann hatte ich es verstanden und es gelingt mir immer öfter, richtig positiv zu denken. Klappt nicht immer, aber es wird immer besser.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele der genialen Sachen, die hier im Forum regelmäßig vorgestellt werden, nicht im ersten Anlauf so funktioniert haben.

Hätte Julez beim Bau seines Bootes für die Wasservehikelchallenge meiner Aussage geglaubt ("Ein Seitenruder aus Pappe mit Heißkleber auf das Servohorn geklebt - das hält nie!"), hätten wir eine Optimisten-Erfolgsgeschichte weniger gesehen ;)
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ProgBernie
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von ProgBernie »

Torpert hat geschrieben: Mo 6. Feb 2023, 08:55 Ich habe auch lange nicht verstanden, dass positiv denken nicht bedeutet, alles einfach rosarot zu sehen.
Es gibt den Spruch "Wer weiß wozu es gut ist". Den habe ich mir zu eigen gemacht. Auch Fehlschläge sind zu etwas gut, ich lerne daraus was nicht funktioniert.
Und beruflich habe ich inzwischen ein dickes Fell.
Unsinnige Vorschriften oder Meetings? Es ist nicht meine Zeit die damit verplempert wird. Die Stunde koste ich dem Unternehmen exakt gleich viel, egal ob ich geniale Einfälle habe oder im Meeting in die Luft schaue.
Kollegen machen Unsinn? Wird die Zeit schon richten, ich habe keine Personalverantwortung. Ich schwärze keine Kollegen an, den meisten spiele ich meine Gedanken zu.
Torpert hat geschrieben: Mo 6. Feb 2023, 08:55 Denn: Wozu ist Ärger gut? (Das sage ich mir immer vor, wenn ich merke, dass ich darin gefangen bin). Wem nützt es, wenn ich mich ärgere? Mir? Jemand anderem? Ich kann darin keinen Vorteil erkennen.
Ich ärgere mich schon noch: Über meine Dusseligkeit z.B., über verkorkste Designs, manchmal auch über Kollegen. Aber nur kurz, dann ist wieder gut. Manchmal muß man auch einfach einen Schlußstrich ziehen:
Als ein Freund seine Kupplung getauscht hat, hat er den Simmering getriebeseitig nicht tauschen können: Der war von innen im Getriebe eingesetzt. Prompt war der undicht... Neuer Reibbelag gekauft, das Gelumpe wieder ausgebaut, das Getriebe musste auseinander, aber irgendwie ging das nicht weil etwas sperrte. Nach einigen Minuten an dem Ding ging er wortlos mit der Kiste in der alle Schrauben und Kleinteile sortiert waren weg und schüttete den Inhalt in den Schrottcontainer. Kam zurück und meinte: So, das Dingkriegen wir nicht mehr zusammen, jetzt können wir den Rest hinterherkippen.
Torpert hat geschrieben: Mo 6. Feb 2023, 08:55 Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele der genialen Sachen, die hier im Forum regelmäßig vorgestellt werden, nicht im ersten Anlauf so funktioniert haben.
Inzwischen beschreibe ich in meinen Reparaturberichten auch, was alles schiefgegangen ist oder in eine Sackgasse führte. So habe ich das "unbezahlbare" (AKA mir wäre es das nicht wert gewesen) 3,5"-Diskettenlaufwerk im hp 4952A gegen eine Emulation tauschen wollen. Aber irgendwie klappte immer irgendwas nicht (das Ding hat eine Art Kopierschutz eingebaut), also habe ich das ROM des Diskettencontrollers (ist ja "nur" x86-code) mit Ghidra disassembliert und reverse engineered. Nach einigen Stunden habe ich dann in der Formatierroutine gefunden woran es lag. Das hätte ich aber auch vorher schon wissen können, denn ein Diskettenabbild hatte ich vorliegen. Ich hätte es bloß genauer studieren sollen, dann wären mir die seltsamen Sektormarken aufgefallen.
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Julez
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von Julez »

Oh ja, "nicht aufgeben", dass kann ich mittlerweile ganz gut. :roll:
Wenn ich n gleiche Teile herstellen muss, wird das erste bei mir meist famos ("das war ja einfach".
Nur die übrigen, die wollen dann oftmals ums Verrecken nicht so gut oder wenigstens gleich werden wie das erste.
Zum Glück habe ich in meiner Jugend "Momo" gelesen:
https://spz-kummenberg.vobs.at/fileadmi ... er_neu.pdf

Sonst wäre ich im Leben schon oft ausgerastet, z.B. als ich in der Ausbildung einen 50mm Würfel aus einem 70mm Würfel aus Stahl feilen sollte.
Ich kann jetzt aber echt gut feilen, das passt immer alles sofort und ist gerade. :)

Gegen den Weltschmerz hilft es ganz gut, sein eigenes Leben ordentlich im Griff zu haben, sich selber gut abzusichern gegen extern verursachte Probleme, ein bisschen dankbar zu sein dafür, dass man gerade nicht in Russland oder Nordkorea geboren ist, und immer eine Kleinigkeit in naher Zukunft zu haben, auf die man sich freut, z.B. ein bisschen Material von Aliexpress um ein Projekt zu beenden.
jodurino
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von jodurino »

Raja_Kentut hat geschrieben: Do 2. Feb 2023, 22:26 Wie schön dass es die Sozialstation gibt !
Wie gut das in diesem Forum, in dieser Gemeinschaft, Respekt und Toleranz so hoch stehen wie in keinem anderen Forum das ich kenne.
Ich traue mich deshalb das hier zu schreiben.

Ein kleiner Mann mit Glatze aus Hamburg der gerade eben im Fernsehen war hat gesagt :
„Eine Gesellschaft kann nur besser werden, wenn sie optimistisch ist. Wenn sie glaubt das die Zukunft besser wird.“
Das stimmt genau. Das glaube ich.

Dieser Satz hat mich inspiriert das jetzt zu schreiben, weil in meinem letzten Thread eine Diskussion begann die nichts mit dem Thema des Threads selbst zu tun hatte. Und weil soetwas überall und immer passiert

........

…. puh, ist ja ein halber Besinnungsaufsatz geworden… aber das Thema ist es wert denke ich. Und da ich ein Optimist bin, glaube ich, irgendwann alle Kommaregeln zu kennen.
Sag mal Raja
Hat sich dieser Thread so entwickelt wie du es dir gedacht hast, oder gab es überraschende Wendungen?

Immerhin gab es erst ja auch Bedenken das er schnell geschlossen wird, hm.

Auch wurde mir wieder bestätigt das geschriebener Sarkasmus nicht so richtig funktioniert, bzw das es nicht geschriebener Sarkasmus war der dann vermeintlich so gedeutet wurde.
Karl Valentin hätte es besser auswerten können.
Gary
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Registriert: Mo 12. Aug 2013, 01:02

Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von Gary »

Für Sarkasmus muss man sich kennen.

Ich hoffe wir haben Nello nicht "abgehängt".
Ich bin total auf schönreden allergisch, aber man kann sich schon entscheiden ob man Eisberg sein will, also nur 1/7tel über Wasser oder ein normales Schiff wo nur ein kleiner Teil unter Wasser ist. Fliegen können nur ganz wenige..
Nello
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von Nello »

Keine Angst :D
Wie meine Großtante Karla aus Krefeld immer zu sagen pflegte: So leicht stirbt et sich nich!
Oder noch besser: So leicht wird sich nich gestorben!
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Raja_Kentut
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von Raja_Kentut »

das wurde wieder mal eine schöne Diskussion, und es haben sich verschiedene Charaktere beteiligt. Toll.
Besonders der Beitrag von Torpert geht genau in die Richtung meiner Intention als ich den Thread gestartet hab.
Mir ist auch völlig klar, das einem manchmal einfach zu viel „auf die Fresse“ passiert.
Dann bin auch ich erstmal down.
Aber nie lange. Und ich versuch dann aktiv wieder auf die Beine zu kommen und nicht ins schwarze Loch zu spiralisieren.

Wichtig ist auch noch, möglichst nicht nachtragend zu sein. Auch das trägt (für mich) sehr zum Wohlfühlen bei.
Unrat vorbeischwimmen lassen und nach vorne gucken.
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Heaterman
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von Heaterman »

Das ist punktgenau die richtige Einstellung.
Auf die Schnauze fliegen, nicht lange rumheulen, Aufstehen, Mund abputzen und weitermachen. Wer liegen bleibt und denkt, das Aufstehen erledigen Anndere für ihn, ist schon erledigt. 8-)
Sir_Death
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von Sir_Death »

Und wenn wieder einmal jemand all zu eklig ist hilft auch ein altes chinesisches Sprichwort: "Wenn du lange genug am Fluß sitzt, siehst du irgendwann die Leiche deines Feindes vorbeischwimmen."
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Bastel-Onkel
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von Bastel-Onkel »

Eine interessante Diskussion, die ihr hier führt. Ich hatte ja unlängst auch ein ziemliches Tief, weil jobbedingt und Privat so einiges nicht gut war. Hab dann ja die Notbremse gezogen und Pensum reduziert. Quasi gleichzeitig ist die Auslastung des Betriebes gesunken und siehe da: Es geht mir besser! Kurz vor Weihnachten habe ich noch ziemlich unwirsch darauf reagiert, als man mir Zusatzarbeit aufdrücken wollte. Heute habe ich freiwillig und unaufgefordert mit demjenigen, der mir seinerzeit die Zusatzarbeit aufdrücken wollte, an einer Anlage herumgedoktort, die seit 10 Jahren nicht lief und die so dermaßen unpraktisch overengineert ist, daß man schreiend flüchten möchte.
Und es hat Spaß gemacht!
Wir haben geflucht, gemurkst und gebastelt, aber es war sehr lustig. Er ist ein Praktiker der ganz alten Schule, Chaot, Tausendsassa und Hardcore-Improvisator jenseits aller Regeln. Ich bin weiß Gott kein Paragraphenreiter, kenne aber den regulatorischen Rahmen und muß ihn daher manchmal ziemlich bremsen. Das kann übel anstrengend sein und wenn ich nicht in Form bin, wie vor Weihnachten, dann kann mir das gewaltig auf den Keks gehen. Heute nicht.
Jetzt stellt sich die Frage, was anders ist. Naja, der Druck ist nicht mehr so groß. Nichts tötet nach meiner Erfahrung Kreativität und den Willen, Probleme anzupacken und zu lösen effektiver als Streß. Wenn man tausend Sachen um die Ohren hat, ständig dem Zeitplan hinterher rennt und kaum zum Luft holen kommt, dann führt jedes neue Problem zu einem Abwehreffekt: "Auch das noch! Muß das sein! Warum hat der Arsch das jetzt schon wieder verbockt!"
Daran geht man auf Dauer kaputt, weil man nie auf einen grünen Zweig kommt. Man ist in permanenter Abwehrhaltung, im Überlebensmodus und hat weder Zeit noch Nerven, sich mit anderen Dingen zu befassen.
Ich war nie "Optimist" und werde es auch nie sein. Nach meinem Weltbild gibt es immer was zu tun und immer Probleme, die angepackt und gelöst werden wollen. Nicht so sehr für andere, sondern hauptsächlich für mich selber, damit ich mich nicht jedes Mal ärgern muß. Mag sein, daß mich manche als negativ empfinden, wenn ich tagtäglich auf Probleme hinweise und Scheiße auch offen und direkt als solche bezeichne. Aber im Gegensatz zu diversen Meckerfritzen, die es auch bei uns im Betrieb massenhaft gibt, setze ich mich auch massiv für Verbesserungen ein. Manchmal hilft Meckern an der richtigen Stelle (Multi-Milliarden-Konzern war jahrelang und schon vor Corona zu geizig für ein einfaches Weihnachtsessen. Beim Cheffe gemeckert -> erledigt -> passt. Problem war schlichtweg nicht realisiert worden. Passiert.), aber sehr oft braucht es mehr. Und dieses "Mehr" braucht Kraft, Energie und Mut. Hat man aber irgendwann nicht mehr zur Verfügung, wenn man das Aufgabensoll konstant nicht mehr in 8h täglicher Arbeitszeit unterbringen kann. Ich lehne mich jetzt einmal aus dem Fenster und sage, daß das mit der eigenen "Einstellung", die man ändern soll, eine starke Vereinfachung ist, die dadurch sowohl richtig als auch falsch ist. Man hat zwar eine Einstellung zu gewissen Dingen, an der man auch etwas arbeiten kann, man wird aber auch durch äußere Faktoren "eingestellt", die man oft nicht direkt beeinflussen kann. Ich weiß nicht, wo ich stünde und wie es mir gehen würde, wenn sich die Auslastungssituation im Betrieb nicht reduziert hätte. Ich bin froh, daß die Dinge sich so entwickelt haben. Ich genieße es aktuell. Ich fürchte aber, daß es leider nicht so bleiben wird.
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Hightech
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von Hightech »

Was einen fertig macht, ist, wenn man versucht Verbesserungen herbei zu führen, und das dann nicht klappt.
Und das ganz besonders, wenn es gar nicht mal was großes ist, einfach zu machen, kostet nicht oder spart sogar Geld.
Man versucht es immer wieder. Dann gibt man frustriert auf.
Das ist ein Phänomen welches man in allen Firmen sieht, das die Leute motiviert sind, etwas besser zu machen und dann irgenwann nur noch Dienst nach Vorschrift machen, weil ihre Vorschläge entweder ignoriert und nicht umgesetzt werden.
Insbesondere wenn es kein Feedback gibt, zum Beispiel warum es nicht umgesetzt wird.
Manchmal dauert es jahre, bis ein Verbesserungsvorschlag bearbeitet wird.

Viele Unternehmen könnten viel weiter sein, wenn man auf die Leute hören würde.
Ganz extrem ist das dann im öffentlichen Dienst.
Dort muss man sein Gehirn komplett abgeben, sonst wird man verrückt.
Was da an Zeit, Geld und Tatkraft vernichtet wird, damit könnte man ein ganzes Land verwalten.
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video6
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von video6 »

Hightech hat geschrieben: Fr 10. Feb 2023, 08:04
Ganz extrem ist das dann im öffentlichen Dienst.
Dort muss man sein Gehirn komplett abgeben, sonst wird man verrückt.
korrekt aber ich beschwere mich nicht und werde in Ruhe gelassen und die Entscheidungen treffen eh völlig andere.
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Bastelbruder
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von Bastelbruder »

Ich war der Meinung daß dort bei Dienstantritt ein Ermessensspielraum zugeteilt wird, im Tausch gegen den gesunden Menschenverstand. Deshalb kann ich Beamteten nicht (mehr) böse sein.
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Bastel-Onkel
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von Bastel-Onkel »

Was einen fertig macht, ist, wenn man versucht Verbesserungen herbei zu führen, und das dann nicht klappt.
Und das ganz besonders, wenn es gar nicht mal was großes ist, einfach zu machen, kostet nicht oder spart sogar Geld.
Man versucht es immer wieder. Dann gibt man frustriert auf.
Kenne ich, war bei mir auch so. Hier im Betrieb gibt es jede Menge Schläuche für Stickstoff und Vakuum. Billiger, farbiger Schlauch, der mit billiger Schlauchschelle und Schraubenzieher festgemacht wird. Inertisiert wird durch zwei mal runterziehen und entlasten mit N2. Also Schläuche umhängen. Das ganze gerne 20 mal am Tag, wenn es nur reicht. Hat mich gleich genervt. Steckkupplungen wollte ich gar nicht erst vorschlagen, denn ein Milliarden-Unternehmen hat dafür eh kein Geld (ist Zynismus. Das wirkliche Problem sind die nötigen, bewilligungspflichtigen, technischen Änderungen an den Anlagen. Die will keiner machen, sehe ich sogar ein.) Also dann eben wenigstens Schlauchschellen mit Flügelschraube. Gibts in jedem Baumarkt und kosten wirklich nicht viel. Ergebnis was ein endloser Postenlauf. Keiner zuständig, keiner wußte, daß es das überhaupt gibt (!!!), auf die ersten 100 Stück hab ich anderthalb Jahre gewartet. Alle Kollegen waren begeistert. Es wurde Nachschub gewünscht. Der verantwortliche Besteller war inzwischen auf einen anderen Posten abgeschoben worden, also alles von vorne... :roll:

Anderes Beispiel: Ich habe die Verantwortung für ein Verbrauchsmaterial-Lager übertragen bekommen, das zwar theoretisch nach einem tollen Modus bewirtschaftet wurde, praktisch aber unendlich viel Platz verbraucht und wirklich haarsträubend sinnlose Arbeiten generiert hat. (Material auspacken, einschweißen, neu etikettieren, ins Regal packen, im SAP dort einbuchen, bei Bedarf dort ausbuchen und an eine Abgabestelle verfrachten, wo es ausgepackt und wieder neu eingebucht werden muß.) Hab alles überarbeitet und gestrafft. Abgabestelle ist jetzt auch Lagerort, alles ebenerdig ohne Leiter. Platzbedarf halbiert, jede Menge sinnlose Arbeit vermieden. Alle Benutzer waren zufrieden. Den neu gewonnenen Platz hat man mir zu Gunsten derjenigen, die sich die Mühe in ihren eigenen Lagern nicht machen wollen, weggenommen und jetzt kommt ein geharnischtes Aufräum-Projekt mit ganz tollen Ideen, was mir wieder alles über den Haufen werfen und die geleistete Arbeit vernichten wird.

Es braucht ein dickes Fell, um da jeden Tag noch gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Und öfters als mir lieb ist, ist mir das in letzter Zeit auch mißlungen. Der Kampf gegen Windmühlen zehrt und noch mehr der Kampf gegen all die Apparatschiks, die zwar selten Recht haben, aber immer Recht bekommen, weil ihre Ärsche auf den richtigen Sesseln sitzen. Ich muß noch knapp 30 Jahre durchhalten, deshalb bin ich ab diesem Jahr auf 90 Prozent Pensum runter. Trotzdem stelle ich mir natürlich längerfristig etwas anderes vor. Im Titel dieses Fadens fehlen nämlich noch die, die resigniert haben.
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Hightech
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von Hightech »

Wobei ich neuerdings bemerke, das es beginnt an bestimmten Ecken besser zu werden:
Die alten vertrockneten Säcke, die mit dem Gehirn festgerostet waren, gehen in Rente. Der Nachschub ist ein wenig flexibler und nicht ganz so festgefahren, da im Laufe der Zeit doch eine andere Art herangewachsen ist.
Es bewegt sich heute mehr als gestern, die alten Hierarchien werden aufgebrochen und die Schichten durchlässiger.
Früher gab gab es Chef, Abteilungsleiter, Meister, Geselle, Azubi, Putzei.
Alle in ihrem Bereich, schön separat.
Das kann man sich heute nicht mehr Leisten, da ist man viel zu unflexibel.

Denn wenn das Putzei feststellt, das $Problem auftritt, dann kann es das mitteilen, ohne direkt als Null gewertet zu werden.
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Julez
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von Julez »

Das japanische System als solches hat zwar viele Schwächen, aber was Verbesserungsvorschläge angeht, sind die schon ganz gut dabei. Die viele Firmen haben eine separate Abteilung dafür (habe ich gehört), wo die Vorschläge anonym ausgewertet werden, und der Abteilungsleiter muss sich dafür rechtfertigen, wenn die Vorschläge nicht umgesetzt werden.
Sowas ähnliches hatte ich im Ausbildungsbetrieb. Da gab es auch so ein Vorschlagswesen. Ich hab vorgeschlagen, dass es in jeder Abteilung einen "Azubi-Werkzeugkasten" geben soll, damit man sich das Werkzeug nicht immer überall zusammenschnorren muss. Gab 100€ Belohnung dafür. Als Azubi viel Geld damals vor 20 Jahren.
Ein Kollege hat den Vorschlag gemacht, eine "Hebe-Kippvorrichtung" bauen zu lassen, damit man die Mülltonnen gut in die Müllcontainer entleeren kann.
Gabe mehrere hundert Euro dafür. So macht das Spaß.
War bei Winkhaus.
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PowerAM
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von PowerAM »

Julez hat geschrieben: Mo 13. Feb 2023, 13:09[...] Verbesserungsvorschläge [...]
Das Neuererwesen ist auch keine ganz neue Erfindung gewesen. ;)
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Desinfector
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von Desinfector »

Raja_Kentut hat geschrieben: Do 2. Feb 2023, 22:26 Wie schön dass es die Sozialstation gibt !
Ja das finde ich auch, da finden sich gelegentlich ganz gute Sachen.

-äh Sarkasmus :mrgreen:
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zauberkopf
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von zauberkopf »

Wobei ich neuerdings bemerke, das es beginnt an bestimmten Ecken besser zu werden:
Die alten vertrockneten Säcke, die mit dem Gehirn festgerostet waren, gehen in Rente.
Oder auch nicht.. also es gibt kollegen.. da isses besser das Gehirn beim Anblick sofort in den Standby zu schicken und das weite zu suchen.
Der Typ, ist wesentlich jünger als ich, angehender Ing.

Also : Wir haben in der Küche so ne Automatische Kaffeemaschine, noch ohne PTT Taste.
Dafür aber mit ein paar LED´s.
Eine Zeigt an, das Wasser leer ist.
Die andere zeigt an, das der Trester voll ist..

Jetzt kommt man an die Kaffeemaschine, und ggf hat man die "Arschkarte" und einer der LED´s ist an.
Ist ja kein Ding.. das ist ja schnell behoben.
Man drückt den Knopf und der Kaffee kommt raus.. und die Welt ist wieder in Ordnung.
Nicht so für meinen Kollegen.
Er meinte wirklich, aus der Küche ohne Kaffee herausrennen zu müssen, mich beim Programmieren stören zu müssen, und wollte mich dazu bringen, das ich meine Arbeit unterbreche, in die Küche gehe, und ihm irgend ne rote LED ausschalte.
Er faselte auch was von Rücksichtnahme (ja...er ist voll auf der Woken welle, wenns ihm nützt).. gegenüber kollegen.. ( der pfeift übrigens, schräger als ein Fingers-Flöt-Roboter, während er den Kopfhörer aufhat... )
Und ich fragte ihn nur : Ist das Dein ernst ? Willst Du jetzt jedem Kollegen hinterherrennen ?
Er war total baff, und war empört das das ganze jetzt ausdiskutiert werden müsste... und stampfte wutentbrannt in die Küche.

Tilt... Mein Hirn war überfordert. Könnte er recht haben ?
Anstatt an dem Projekt weiter zu arbeiten, habe ich dann erst einmal im Kopf das ganze Kaffee LED Problem Mathematisch Spieltheoretisch durchgespielt.
Mein bisheriges Fazit : Die Anzahl der zufallsbedingten Arschkarten bleibt gleich, aber seine Variante hat den Nachteil, das der Kaffee dann auch noch kälter ist, als bei der ursprünglichen Variante.
Ausserdem hat er total vergessen, das auch noch den abgedeckten Kaffebohnenbehälter checken könnte..
Warum nicht gleich nach jedem Kaffee die Maschine gründlichst reinigen ?

Nachdem ich dann noch weitere (Verhaltens)Daten aus der Vergangenheit aufgerufen habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, das er Veränderungen durchsetzen will mit einer anderen Motivation, als eine allgemeine Verbesserung zu erzielen.

Beim letzten Treffen in der Küche, faselte er was von Verantwortung (wieder mal LED).. rotzt und niest aber ohne Maske die Bazillen durch die Gegend.
Was einen fertig macht, ist, wenn man versucht Verbesserungen herbei zu führen, und das dann nicht klappt.
Und das ganz besonders, wenn es gar nicht mal was großes ist, einfach zu machen, kostet nicht oder spart sogar Geld.
Man versucht es immer wieder. Dann gibt man frustriert auf.
Das ist ziemlich allgemein..
z.B. eine Verbesserung der Produktivität, kann die Fehlerquote erhöhen, und damit eine Verschlimmbesserung sein.
Oftmals sehen die Leute auch nur ihren eigenen Arbeitsbereich. Aber nicht die nachfolgenden schritte.
Zum ersten mal wurde mir das bewusst, als ich noch Jung und Schön war.. und u.A. als Systemadmin/usw.. arbeitete.
Weil ich hatte alle Abteilungen und Prozesse im Blick.
Und dann wird es interessant : Dinge zu optimieren, die dem gesamten Unternehmen nützen und nicht nur dem eigenen Bereich/Ego.
Manchmal sind Verbesserungen auch extrem Teuer.
Beispiel : Wenn Du von einem UL-Gelisteten Medizinprodukt auch nur einen Widerstand von einem anderen Hersteller als spezifiziert einbauen willst :
Dann zurrück auf los, ziehe keine 4000 ein.. der ganze QM-Prozess startet von neuen.
Die kosten dahinter sind zum teil gigantisch.

Übrigens, solche Verschlimmbesserungen habe ich natürlich auch schon mal gebracht oder vorgeschlagen.
Mein Gott, nobody is perfect.
Ich gebe Dir absolut recht, das eine Rückmeldung nett wäre.
Einmal habe ich sogar noch mal nach einer "Rückmeldung" nachgehackt : Wie oft wurde dieser Vorschlag schon gemacht ? Antwort : Du bist Nr...(du siehst das zählregister regelrecht hochzählen) 4.

Kann aber auch sein, das die Vorgesetzten mit anderen Dingen den Kopf zu haben. Prioritäten setzen heist auswählen was liegen bleiben soll.

Fast vergessen : Wo ich QM-Prozess erwähne : Wenn das gelebt wird, werden vorschläge regelmäßig "bearbeitet". Das kann einfließen.. muss aber nach einer prüfung nicht.
Es sind nicht immer irgendwelche Menschen schuld.. manchmal sind es grundlegende Prozesse...

PS : Hightech.. das willst du nicht hören.. für manche Zeitgenossen, fällst Du schon in die Kategorie "Alter vertrockneter Sack"
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Hightech
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Re: Die Verbitterten, die Pessimisten, die mit dem bösen Sarkasmus

Beitrag von Hightech »

zauberkopf hat geschrieben: Do 23. Feb 2023, 01:09 PS : Hightech.. das willst du nicht hören.. für manche Zeitgenossen, fällst Du schon in die Kategorie "Alter vertrockneter Sack"
Kann ich mir vorstellen, ist aber ein Vorurteil.
Die Junschen sind ja auch nicht alle flexibel, motoviert und aufgeschlossen, da gibt es Gehirnaltesäcke, die ein festes Mindset OTP haben, vom Umfeld oder von den Eltern.
Der arme Thorhall wohnte in so einer Gegend wo die Kiddis quasi schon im Anzug rum laufen, und FTP-UnWeisheiten von sich gaben, im Brustton der Überzeugung.
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