Kölleda Verstärker Anlage

Der chaotische Hauptfaden

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Gobi
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Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von Gobi » Di 29. Dez 2020, 20:49

So, gestern habe ich die Anlage von Runni geholt - mit Sicherheit mein nächster Fall von krasser Selbsüberforderung. :roll:
IMG_20161017_121214b.jpg
Da ich unweigerlich Fragen haben werde, zeige ich hier schon mal die inneren Werte:
R-F-T Kraftverstarker NV 4147, 25 W [1600x1200].jpg
IMG_4294.JPG
IMG_4293.JPG
Die Endstufe gibt es 3mal - wird hoffentlich nicht all zu viel Ärger machen. Normale Kondesatoren werde ich gleich mal tauschen, aber was mache ich mit den Bechern, und noch schlimmer mit den rechteckigen "Kästchen"? Stelltrafo habe ich ja jetzt, ich könnte also mal versuchen die zu formatieren (edit: also "formieren"). Sinnvoll?
IMG_4296.JPG
IMG_4297.JPG
IMG_4298.JPG
Was ich für Vorstufen gehalten habe, ist ein "Bedienteil" mit versch. Funktionen, das muss ich erstmal grob verstehen. Obwohl da überraschend wenig drin ist, sind dort die gröbsten Schäden. Zinkfraß an allen Telefonschaltern. Ich habe zwar welche, aber mit ganz anderen Kontaktsätzen. Mal sehen, wie ich das löse.
IMG_4299.JPG
IMG_4301.JPG
Kleines Überraschungs Gimmik noch auf dem Abhörlautsprecher:
IMG_4302.JPG
In der Anlage ist noch ein Radio dabei, das lasse ich aber (erstmal?) komplett links liegen. Sieht zwar schön aus, aber eigentlich macht es für mich keinen Sinn.
Das Ganze soll mal ein möglichst universeller Studio Verstärker werden. Ich habe auch noch ein komplettes Trennklinkenfeld, vielleicht verheirate ich das da rein. Generell muss ich aber erstmal verstehen, was die einzelnen Bausteine machen und wie ich das sinnvoll verküpfen könnte.
Die ganze 100V Technik ist mir auch noch völlig unbekannt.

Falls wer über hat, ich könnte schon mal 2 30W Übertrager brauchen..
Zuletzt geändert von Gobi am Di 29. Dez 2020, 21:45, insgesamt 1-mal geändert.

sysconsol
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Re: Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von sysconsol » Di 29. Dez 2020, 21:24

Gobi hat geschrieben:
Di 29. Dez 2020, 20:49
Zinkfraß an allen Telefonschaltern. Ich habe zwar welche, aber mit ganz anderen Kontaktsätzen. Mal sehen, wie ich das löse.
Die Zinkteile aus irgendwas haltbarem nachbauen. Dürfte dein geringstes Problem sein.
Wenn man sich so etwas antut, dann muss das von außen original aussehen.

Datenträger werden formatiert, Elektrolyt-Kondensatoren werden formiert ;)

Die komplette Anlage wird wahrscheinlich fragmentiert und nach diversen Arbeitsschritten wieder defragmentiert :lol:

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Re: Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von Gobi » Di 29. Dez 2020, 21:32

ich hoffe es doch sehr :mrgreen:

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Re: Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von runni » Di 29. Dez 2020, 23:44

Die rechteckigen brauchst Du normal nicht zu tauschen, sind Tropenfeste Typen und gehen selten bis nicht kaputt.
Hatte ich Dir gesagt ;)

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Re: Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von Gobi » Di 29. Dez 2020, 23:46

ach echt? sorry - manchmal habe ich ADHS anscheinend :oops:

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Re: Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von xanakind » Mi 30. Dez 2020, 00:20

Der Trumm ist bei dir genau richtig! :D

Sind das 4,4mm Klinkenbuchsen?
Falls du bedarf hast, sag bescheid, ich habe noch ein paar davon da.
Und ja, diese großen Kondensatorem im Blechgehäuse sind in den seltensten Fällen defekt. Ich würde die erstmal ignorieren und die "üblichen" tauschen.

Kann mir jemand erklären, wieso man den Lautsprecherkorb früher oft mit einem Stoff bespannt hat? Ich habe das schon öfters gesehen. Auch die ollen Telefunken 085A Lautsprecherboxen hatten das.

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Re: Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von berferd » Mi 30. Dez 2020, 00:50

Ich vermute stark: Damit kein Dreck reinkommt.
Der Luftspalt war früher nach vorne sehr oft (immer?) offen, d.h. das kleine "Häubchen" in der Mitte des Lautsprechers gabs nicht. Wenn Dreck in den Spalt (zwischen Spulenkörper und Magnetkern) kam, hat der Lautsprecher dann gekratzt. Wohl deshalb war der ganze LS in Stoff verpackt, oder zumindest vorne.

Sehr coole Anlage!

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Re: Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von Gobi » Mi 30. Dez 2020, 01:16

xanakind hat geschrieben:
Mi 30. Dez 2020, 00:20
Der Trumm ist bei dir genau richtig! :D
Ja, "optisch" ganz bestimmt - ich bin im Moment noch etwas unsicher, was die kann - oder was ich will was die kann.
Die Buchsen sind glaube ich noch in Ordnung, aber wenn, komme ich gerne drauf zurück!

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Re: Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von gafu » Mi 30. Dez 2020, 01:35

Gobi hat geschrieben:
Di 29. Dez 2020, 20:49
So, gestern habe ich die Anlage von Runni geholt - mit Sicherheit mein nächster Fall von krasser Selbsüberforderung. :roll:
IMG_20161017_121214b.jpg
Obwohl da überraschend wenig drin ist, sind dort die gröbsten Schäden. Zinkfraß an allen Telefonschaltern. Ich habe zwar welche, aber mit ganz anderen Kontaktsätzen. Mal sehen, wie ich das löse.
die bröselnden halter aus zink könnte man vielleicht aus aluminium gießen und somit nachfertigen

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Re: Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von xanakind » Mi 30. Dez 2020, 02:09

Nene, ich meine passende Klinkenstecker. Die sind nämlich nicht sooo einfach zu bekommen.
Buchsen könne ich aber vielleicht auch welche haben.

Zur 100Volt Technik:

Mit einfachen Worten:
Du klemmst an einen normalen Verstärker einen Trafo, damit das Ausgangssignal eine hohe Spannung hat.
Hohe Spannung = weniger Leitungsquerschnitt nötig.
Am Lautsprecher sitzt dann wieder ein (kleiner) Trafo, welcher den hohen Pegel auf einen "normalen" kleinen Pegel umsetzt. Der Lautsprecher selbst ist dann ein ganz normaler mit 4 oder 8 ohm.

Mit der 100 Volt Technik kannst du problemlos über dünne Klingeldrähte und große Distanzen den Ton übertragen.

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Re: Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von Spike » Mi 30. Dez 2020, 08:08

Glückwunsch zu Deiner neuen Aufgabe - Das sieht bestimmt sehr cool aus, wenn es fertig ist...
Was mir auffiel, ist dass der Gleichrichter bei dem Normverstärker NV4147/2 von AZ12 (wie in Deinem Beispielschaltbild) auf EYY13 getauscht wurde - Einsparung einer zusätzlichen Heizwicklung?
Die kleinen Aufkleber (oder Abriebbilder?) auf den Lautsprechern der Ost-Produktion finde ich im Übrigen superschön. Individualisierte Arbeitsbrigaden habe ich da schon gesehen, oder "Meine Hand für Dein (oder mein?) Produkt"...
xanakind hat geschrieben:
Mi 30. Dez 2020, 00:20
Kann mir jemand erklären, wieso man den Lautsprecherkorb früher oft mit einem Stoff bespannt hat? Ich habe das schon öfters gesehen. Auch die ollen Telefunken 085A Lautsprecherboxen hatten das.
Wie berfred schon schrieb bestimmt zum Schutz vor Staub im Luftspalt - die Spinne hinten war oft nicht so dicht - und der Staub sammelt sich im Gehäuse, gerade wenn aktive Komponenten vorhanden sind, die die Konvektion fördern.
War aber auch bei vielen alten (passiven) Saba-Lautsprechern bei den 30ern hinten drauf, damit die sich nicht die Dämmung reinsaugen.
berferd hat geschrieben:
Mi 30. Dez 2020, 00:50
Der Luftspalt war früher nach vorne sehr oft (immer?) offen, d.h. das kleine "Häubchen" in der Mitte des Lautsprechers gabs nicht.
Ich glaube es ging Xana nicht um die Schallwandbespannung, sondern die inneren Werte ;)

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Re: Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von runni » Mi 30. Dez 2020, 09:00

Die EYY13 sind später üblich gewesen und waren zur Einführung der Verstärker noch nicht verfügbar, das Schaltbild ist von der ersten Generation. Die AZ12 waren wohl nicht so belastbar, Spannungsfest und sind gerne mal ausgefallen. Im Schaltbild erkennt man das der Trafo eine Anzapfung für 4V hat, aber wohl auch 6,3V liefert.

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Re: Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von berferd » Mi 30. Dez 2020, 11:05

Ach ja, Thema Lautsprecher-Stoff noch: den bitte sehr pfleglich behandeln, denn diese Art Stoff bekommt man praktisch nicht mehr her, und er hat einen großen Anteil an der Gesamtoptik des Geräts. Ersatzstoffe sehen immer unpassend aus. Also nicht in die Falle "ach, das kriegt man sicher noch her, das reißen wir mal raus und machen es nachher alles neu" tappen.

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Re: Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von Roehricht » Mi 30. Dez 2020, 13:16

Hallo,
die Klinkenstecker sind aus der Fernmeldetechnik der Post. Die Buchsen heissen Klinken und der Stecker heisst Stöpsel, von denen dürfte ich noch einige besitzen.
US 6,35mm Stecker passen nicht, ebenswenig Bantam/ Tiny Telefon .

Die besagten Schalter heissen Kellog Schalter, die tauchen gelegentlich in der Bucht auf.
Geil der Ausdruck "Kraftverstärker" für Endstufe. :mrgreen:

In jedem Fall ist die Anlage vom Deseign Oberaffentittengeil. ...steampunkmässig. An dem Möller muss man ausser reinigen nicht viel machen. Die verbauten Bauteile halten noch die nächsten 75 Jahre. Die Kondensatoren sind unkaputtbar und die Trafos nicht mit der heissen Nadel gestrickt.

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Wolfgang

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Re: Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von andreas6 » Mi 30. Dez 2020, 13:20

Die zerbröselten Schalter heißen Kellog-Schalter. Die gibt es heute noch, aber verhältnismäßig teuer. Vielleicht kann man da aus zweien einen machen. Um 1980 herum habe ich viele davon verschrottet. Die waren in einem Fernschrank 36 drin.

MfG. Andreas

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Re: Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von Gobi » Mi 30. Dez 2020, 13:23

Einige wenige von den "Stöpseln" habe ich glaube ich, im Moment überblicke ich noch nicht mal, was da gestöpselt wird... Die ganze Abhöreinheit irritiert mich, ich habe aber schon Unterlagen gekommen, muss mir das noch reinziehen - es gab anscheinend etliche Varianten
Ebenso unklar: wofür sind die Buchsen an den EL12 ?

DIe Winkel von den Schaltern kann ich evtl. "einfach" nachbauen - ich schau mir das mal genauer an.

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Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von PowerAM » Mi 30. Dez 2020, 13:38

Falls Bespannstoffe gereinigt werden sollen, dann Vorsicht beim Ausbau! Falls verklebt und der Kleber nicht wasserlöslich - sein lassen! Umgelegt und getackert/genagelt kriegt man gewöhnlich raus und auch wieder rein.

Zum Reinigen ausgebauter Bespannstoffe frage in der Familie bei Frau/Freundin/Schwiegermutter/Oma nach einem Stickrahmen! Es gibt sie in unterschiedlichen Größen. Darin eingespannt lassen sich Stoffe ganz gut reinigen. Zudem lässt sich beim Trocknen die lästige Faltenbildung vermeiden, wenn der Stickrahmen groß genug ist.

Für die Reinigung gilt: Wenig mechanische Beanspruchung, spülen und lüften geht immer. Oft vorgeschlagen wird Febreze - das Zeug hat aber keinerlei Reinigungswirkung. Flüssiges Waschmittel (statt Pulver; wegen Rückständen vom Waschmittel bei geringer Waschtemperatur); Sportbekleidungswaschmittel lässt nach der Reinigung auch Farben etwas frischer wirken. Selbst Nikotin kriegt man wieder raus, jedoch ist der Aufwand mit öfterem Waschen und Spülen eben höher. Waschlauge und Spülen dürfen allenfalls handwarm sein. Und im Rahmen (nicht zu schnell) trocknen lassen.

Wenig gemusterte oder nur melierte Stoffe kriegt man aber auch heute noch neu bzw. NOS. Wenn originale Stoffe nicht mehr zu retten waren, dann nahm man auch früher, was man bekam. Insbesondere DDR-Restaurierungen von Röhrenradios erfolgten bei den Hobbybastlern oft mit mehr oder weniger passenden Stoffen. Ich hätte mich stets am Original orientiert, also etwas optisch passendes gewählt.

Ein früherer Schulkamerad hatte braun/gelb geblümten Bespannstoff an seinem Stradivari-Radio - und fand es damals total abgefahren. Dazu passte auch die mit Glühlampentauchlack rot eingefärbte Skalenbeleuchtung. Nicht mein Geschmack, aber die 80er waren schon wilde Zeiten... :lol: Wobei der Griff zu dem geblümten Stoff wohl eher in den Zeitgeschmack der 1970er passte.

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Re: Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von Bastelbruder » Mi 30. Dez 2020, 13:57

Unersetzbarer Bespannstoff ist natürlich nur der Stoff zwischen Sperrholz- und Frontplatte. Der Sack um den Lautsprecher ist ganz normales Leintuch.

Die Buchsen an den Endröhren sind zur Kontrolle des Ruhestroms.

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Re: Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von sysconsol » Mi 30. Dez 2020, 15:15

Roehricht hat geschrieben:
Mi 30. Dez 2020, 13:16
Die besagten Schalter heissen Kellog Schalter, [...]
Danke. Der Begriff war mir nicht geläufig, die Schalter hingegen schon.

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Re: Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von jodurino » Mi 30. Dez 2020, 18:46

Hallo
redet Ihr von so was?

Bild

Dann PN Gobi

cu
jodurino

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ferdimh
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Re: Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von ferdimh » Do 31. Dez 2020, 00:18

Die Quader sind mit Sicherheit noch gut, den Becherelkos gebe ich 50%. Wenn das ne gute Charge war, sind die alle noch wie neu. Wenns ne schlechte Charge war, darfst du viel tauschen.
Zur Inbetriebnahme bin ich nach wie vor kein Freund von Stelltrafos an Röhrengeräten.
Dann werden die Gleichrichter unterheizt und das Ganze geht relativ plötzlich los, wenn die ersten Elektronen aus dem Heizfaden kommen.
Meine Lieblingsvorgehensweise ist daher:
Alle Röhren außer den Gleichrichtern ziehen oder die Heizer abklemmen. Was halt gerade leichter geht. Bei dem Aufbau würde ich die Röhren ziehen.

Den Anodenstromkreis auftrennen. Der Verstärker hier hat praktischerweise an der richtigen Stelle eine Sicherung und eine Brücke für ein Trennrelais.
Hier kommt ein 10kΩ/10W-Widerstand oder eine 25W-Birne rein.
In die Netzleitung kommt ein Amperemeter, um grobe Schäden sofort zu entdecken. Ebenfalls schadet eine geeignete träääge Sicherung (z.B. ein Motorschutzschalter) nicht.
Der Haufen braucht ungefähr 20W Heizleistung, also sollte er aus dem Netz beim Anheizen nicht viel mehr als 100W und wenn er warm ist nicht viel mehr als 50W ziehen. Weil die Heizer Widerstände sind und der Trafo vermutlich relativ gut ist, ist das ganze Ding eine fast perfekt ohmsche Last, man kann sich also mit P=U*I helfen.

Wer vorsichtig ist, dreht die Kiste am Stelltrafo zügig hoch (10-30 Sekunden). Keine "Jede Stunde 10V mehr"-Orgie! Solange der Heizfaden vom Gleichrichter nicht warm ist, passiert gar nix, danach gehts aber recht zügig zur Sache (und bei halb heißem Heizer verschleißt die Gleichrichterröhre ziemlich schnell).

Also, Feuer!

Zusätzlich zum Amperemeter am Netz wird an die zentrale Anodenbesaftung ein Voltmeter angeschlossen (z.B. Mitte vom Ausgangsübertrager). Ich verwende hier gerne Zeigerinstrumente, die ohne Batterie funktionieren. Dann kann man das einfach laufen lassen und immer mal wieder hingucken.
Zeigt das Amperemeter im Netz keine Vollkatastrophe, erstmal abwarten. Wenn die Gleichricherröhre warm wird, sollte die Stromaufnahme wieder steigen. Wenn der Vorwiderstand eine Birne ist, sieht man sie jetzt leuchten.
Über den Vorwiderstand wird die Anodenspannung langsam steigen. Am Anfang wirds relativ schnell gehen, und wenn die ersten Macken in den Elkos auftreten, geht es langsamer oder sogar kurzzeitig rückwärts. In der Regel gehts aber irgendwie voran. Geht die Spannung auf fast 0 ist noch irgendwo ein Kurzer drin, den muss man dann wohl finden und beseitigen.

Öfter mal gucken, ob Elkos übermäßig warm werden, ist nicht verkehrt 40-50°C sind noch ok.

Wenn die Anodenspannung hochgekommen ist (mindestens mal 250V; das kann auch mal 2 Stunden dauern!) und eventuell warme Elkos wieder größtenteils abgekühlt sind, kann man jetzt an allen Steuergittern die Spannung messen. Sind dort näherungsweise 0V, kann man eine Inbetriebnahme mit Röhren und einer größeren Glühbirne (60W oder gar 100W) wagen.

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Re: Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von Gobi » Do 31. Dez 2020, 12:15

:shock: ok. Das nenne ich mal eine Anleitung. :shock: Wer will mein Händchen halten, wenn ich das durchführe? :roll:

andreas6
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Re: Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von andreas6 » Do 31. Dez 2020, 12:47

Wenn es etwas wärmer ist, kommst Du damit auf meinen Gartentisch.

MfG. Andreas

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Re: Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von runni » Do 31. Dez 2020, 12:49

Ich hab heute einen LV25 vom Dachboden geholt, hab ich vor mehr als 20 Jahren nur notdürftig repariert. Kurz auf den Tisch und die Elkos mit der Nennspannung formiert ( langsam hoch gedreht) und dann eingeschaltet. Funktioniert wie am ersten Tag, hab mit den 25W die Spinnen aus der Werkstatt vertrieben :mrgreen:
Als 100V Übertrager diente ein chinesischer Netztrafo 110V auf 10V 50VA selbst der hat bis 15kHz mit gemacht.
Der steht demnächst auch zum Verkauf, handlicher Einschub.

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Re: Kölleda Verstärker Anlage

Beitrag von Gobi » Do 31. Dez 2020, 12:54

@Andreas: ;) Danke, nicht das Du nachher wieder irgendwelchen Mist, den ich gebaut habe suchen musst... :roll: Bis dahin versuche ich mal Teile zu beschaffen und mechanisch alles in Ordnung zu bringen

Noch Fragen zu den 100V: das heißt dann doch, man kann dort plötzlich einen gewischt bekommen? Und kann man diese Verstärker dann ohne Lautsprecher betreiben oder müssen die auch Last haben?

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